Die neue Körperlichkeit

Transfer Zwischenfazit des 1. FC Kaiserslautern

(Stand 20.06.2019)

Mit den Verpflichtungen der beiden Nationalspieler Andri Rúnar Bjarnason und Manfred Starke gewinnt die Offensive des 1.FC Kaiserslautern an Körperlichkeit in der Zentrale hinzu. Die Frage drängt sich auf, was das für das Angriffsspiel zu bedeuten haben wird und welche taktischen Möglichkeiten sich aus diesen Personalentscheidungen neu ergeben. Ein Transfer Zwischenfazit.

Der zentrale Part

Mit dem Ausfall von Lukas Spalvis ab dem 6. Spieltag der Saison 18/19 ging dem 1.FC Kaiserslautern der einzig „klassische“ Stoßstürmer im Profikader verloren, der sein Können bereits in objektiven Zahlen belegt auf hohem sportlichen Niveau nachgewiesen hatte. Damit verlor die Mannschaft einen neuralgischer Punkt im Angriffsspiel. Hohe Bälle im Spielaufbau, gerade unter Ex-Trainer Michael Frontzeck oft das taktische Mittel der Wahl, fanden keinen Abnehmer, der in der Lage war, diese festzumachen oder weiterzuleiten.

Timmy Thiele und Christian Kühlwetter hatten den Ausfall des Litauers über weite Teile der Saison zu kompensieren, sind allerdings ganz andere Spielertypen. Beide bewiesen ihre jeweiligen Qualitäten in der Offensive eher nach flachen Spielzügen. Während Kühlwetter sich gut zwischen den Defensiv-Reihen bewegt um Spielsituationen zu initiieren und häufig selbst abzuschließen, liegen die Stärken von Thiele im dynamischen Spiel bis zur Grundlinie und im Konterspiel bei sich bietenden Räumen hinter der letzten Abwehrreihe. Dabei fehlte ihm in vielen Situationen ein durchsetzungsfähiger, abschlußstarker Sturmpartner im Rückraum oder direkt vor dem Tor. Auch im Tor-Abschluss und gerade im 1:1 gegen den Torhüter fehlte Thiele zudem häufig die von ihm erwartete „Kaltschnäuzigkeit“.

Die Rahmenbedingungen

Häufig traf der FCK auf Gegner, die sich auf ihre Stärken in der Defensive verließen und kompakt mit 5-er Abwehrreihe und drei bis vier dicht vorgelagerten Mittelfeldakteuren die (besonders zentralen) Räume im letzten Drittel des Spielfeldes eng besetzten. Eine solche Ausrichtung erfordert besonders von den offensiven Außenspielern in der Angriffsinitiierung Ballsicherheit, ein sauberes Passspiel in möglichst hohem Tempo und intelligente Laufwege, um Räume für das eigene Spiel oder die Mitspieler zu schaffen.

Am besten gelang dies in der Regel Christian Kühlwetter, der über Außen seine Gegenspieler immer wieder vor Probleme stellte. Florian Pick hingegen konnte sich zu häufig körperlich nicht im Eins gegen Eins behaupten. Der dribbelstarke Flügelspieler verpasste auch in vielen Situationen den richtigen Zeitpunkt für ein Abspiel oder den Abschluss. Ohne in konkrete Einzelkritiken eintauchen zu wollen, fehlte auf den offensiven Außenpositionen Tempo, Körperlichkeit und Bindung zur Sturmspitze. Hierdurch ergab sich Saison-übergreifend zu wenig Torgefahr im Spiel gegen tief stehende Gegner. Bis zu seiner Verletzung ließ Antonio Jonjic eben diese fehlende Attribute aufblitzen und sorgte für eine unbekümmerte Belebung des Angriffsspiels, die hoffentlich zur nächsten Saison wieder hergestellt sein wird.

Standards und Kopfballstärke

Die fehlende Körperlichkeit zeigte sich auch bei offensiven Standardsituationen, die zu selten echte Gefahr erzeugten und somit in ihrer oft spielentscheidenden Funktion in Liga 3 verpufften. Um Torerfolge gegen oft robuste Verteidiger der 3. Liga bei Standards und hohen Bällen erzielen zu können, benötigt es die entsprechenden körperliche Durchsetzungsfähigkeit der Abnehmer im Sturm-Zentrum und auch im zentralen Rückraum für den „zweiten Ball“ nach Klärung durch die Verteidiger.

Das offensive Aufrücken der FCK-Innenverteidigung bei eigenen Ecken in den generischen Strafraum erzeugte kaum Torgefahr. Stattdessen lief man so immer wieder in gegnerische Konter. Selten konnte auch der zweite Ball nach Standards oder Flanken verwertet werden, da in der Rückraumzentrale (z.B. bei eigenen Ecken) die entscheidende Durchsetzungsfähigkeit fehlte oder dieser Raum erst gar nicht durch nachrückende Spieler aus dem zentralen Mittelfeld besetzt war.

Insgesamt erzielte die Mannschaft in der Saison 18/19 nur 11 Tore nach Standards oder im unmittelbaren Anschluss daran, davon drei Elfmeter, drei Tore nach Freistößen und fünf Tore in Anschluss an Ecken. Zu wenig für einen Aufstiegsaspiranten.

Neue Möglichkeiten in Sicht

Mit Andri Rúnar Bjarnason und Manfred Starke hat der FCK nun zwei Spielertypen in den Kader aufgenommen, die sich durch Körperlichkeit und Abschlussstärke auszeichnen. Starke hat in der Rückrunde der Saison 18/19 bereits in der 3.Liga bewiesen, dass er als hängende Spitze und besonders inverser, also nach innen tendierender Außenspieler mit starkem Abschluss, Qualitäten mitbringt, die auch tiefe Abwehrketten vor Probleme stellen können. Und mit seinen 1.93m bring Bjarnason das körperliche Potential mit, die gegnerische Verteidigung aufzureiben und über ein ganzes Spiel hinweg Torgefahr auch nach hohen Bällen auszustrahlen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob er direkt in der Lage sein wird seine Leistungen und Quoten aus den schwedischen Ligen der letzten beiden Jahre in der dritten deutschen Spielklasse zu bestätigen.

Mit Simon Skarlatidis wurde zusätzlich ein Spieler verpflichtet, der Ballsicherheit und Spielintelligenz auf sehr gutem Niveau für die dritte Liga mitbringt und eine sinnvolle Ergänzung auf der rechten Offensivseite zu den jungen Talenten Schad und Jonjic darstellt. Seine Torbeteiligungsquote der vergangenen Saison liegt höher als die der FCK-Außenspieler der vergangenen Spielzeit.

Was ist zu erwarten?

Mit Prognosen ist das ja so eine Sache, aber dennoch möchte ich mich in diesem Transfer Zwischenfazit zu 2 Hypothesen zur FCK Offensivabteilung hinreißen lassen, auf die man mich gerne in einem Jahr festnageln möge.

Der FCK wird in der nächsten Saison deutlich mehr Gefahr bei eigenen Standards ausstrahlen und auch mehr Tore nach Standards erzielen (Saison 18/19: 11 Tore)

und

Der FCK wird mit diesen neuen, erfahrenen Spieleroptionen in der Offensive insgesamt mehr Tore erzielen (Saison 18/19: 49 Tore)

Gewagt, gewagt…

Sicher hingegen ist eines: Mit den bisherigen Transfers hat sich der FCK mehr Optionen in der Offensive bei Standards, zweiten Bällen und auch beim Spielaufbau über die Flügel geschaffen. Wenn es im weiteren Verlauf der Transferphase gelingt auch noch das zentrale Mittelfeld und die Außenverteidiger-Positionen mit Qualität zu verstärken und so die Bindung der übrigen Mannschaftsteile an die starke Offensivabteilung sicherzustellen, kann die Saison 2019 / 2020 eine sehr erfolgreiche werden.

Zum Abschluß der Transferphase wird eine Gesamtbewertung des neuen Kaders erfolgen im Anschluss an dieses Transfer Zwischenfazit.

Für Unterstützung des TaktikTeufel Blogs findet Ihr hier weitere Infos!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.