Die Systemfrage Teil I

In der vergangenen Saison spielte der 1. FC Kaiserslautern in unterschiedlichen defensiven Grundformationen; Stabilität wurde in keinem der gewählten Spielsysteme gefunden. Nach Michael Frontzecks Vorliebe für die 4er Abwehrkette stellte Sascha Hildmann die Grundformation nach der Winterpause auf 3er bzw. 5er Kette um und stellte somit die Systemfrage neu. Jedoch konnte keine der Grundformationen einer verunsicherten Mannschaft die nötige Stabilität verleihen, um die Aufstiegsränge anzugreifen. Eine Analyse.

Auf allen Vieren

Zu Beginn der Saison war man sich trotz Kader-Umbruchs in der Presse und Fan-Landschaft einig: Der FCK wird um den Aufstieg mitspielen können, trotz des Abstieges aus Liga 2 mit entsprechendem fußballerischem Aderlass. Unter Trainer Michael Frontzeck etablierte sich die 4er Abwehrkette zu Beginn der Saison als Mittel der Wahl. Trotz personeller Neuaufstellung auf allen defensiven Positionen vertraute Frontzeck auf die Qualität seiner Abwehrspieler in einem 4-4-2 oder 4-3-3 für die nötige Stabilität zu sorgen.

Gegen den Ball sollten zwei kompakt verschiebende 4er Ketten die Räume vor dem eigenen Tor eng machen, bei eigenem Ballbesitz übernehmen die Flügelspieler im Mittelfeld offensive Aufgaben. Zu selten gelang es dabei, das zentrale Mittelfeld im Spielaufbau mit einzubeziehen. Zu häufig wurde das Zentrum durch den Gegner verdichtet, so dass meist der lange Ball der Außenverteidiger auf die offensiven Außenpositionen erfolgte, der zu oft mit einfachen Mitteln verteidigt werden konnte.

Formation: 4-4-2 (2 defensive Sechser)

Speed Kills

Besonders in der Gegenbewegung nach Ballverlust zeigte sich, dass die Viererkette des FCK Probleme hatte, die Räume zwischen den Verteidigern eng zu halten. Dies führte besonders bei schnellem Umschaltspiel und direkten Pässen zwischen die Verteidiger zu Gefahr. In vielen Situationen wurde deutlich, dass mit Andre Hainault und Kevin Kraus meist zwei erfahrene, aber auch eher langsame Innenverteidiger auf dem Feld standen.

Auch im 4-3-3 konnten der Spielaufbau trotz ausgeprägterer Tiefenstaffelung in der Zentrale nicht wirklich belebt werden. Zu häufig verloren sich die Flügelspieler in Zweikämpfen oder schlugen weite und ungenaue Bälle die Linie entlang. Generell entfaltete sich saisonübergreifend gegen tiefstehende Gegner zu wenig Dynamik im letzten Drittel des Feldes, obwohl man mit einem 4-4-2 oder 4-3-3 eher „klassisch offensive“ Aufstellungen wählte, bei der alleine schon die 2 oder 3 nominellen Stürmer für entsprechende Torgefahr sorgen sollten.

Formation: 4-3-3

Zahlen und Fakten

Insgesamt spielte der FCK 23 Spiele in der 3. Liga mit einer 4er Abwehrkette, davon 18 unter Frontzeck und 5 unter Hildmann. Dabei konnte man 8 Spiele gewinnen, 7 Spiele unentschieden gestalten und 8 Spiele gingen verloren. Darunter waren auch die beiden höchsten Saisonniederlagen am 15. Spieltag (1:4 gegen Hansa Rostock) und am 17. Spieltag (0:5 gegen die Spvgg Unterhaching). Somit holte man mit defensiver 4er-Kette im Schnitt 1,39 Punkte pro Spiel, zu wenig für einen Aufstiegskandidaten.

Auch die Torstatistiken sprechen nicht für ein Top-Team der 3. Liga, sondern eher für tristes Ligamittelfeld.

31 Tore ( 1,35 pro Spiel) und 34 Gegentore (1,48 pro Spiel) sprangen in den 23 Spielen heraus. Die höhere Gegentor-Anzahl unterstreicht die Probleme in der Defensive, mit vier nominellen Verteidigern defensive Stabilität über 90 Minuten herzustellen. Außerdem zeigt die vergleichsweise geringe Torquote die Schwäche im Kreieren und Verwerten von Torchancen bei eigenem Ballbesitz.

Fazit

Sicherlich ist die Grundformation einer Mannschaft nicht der alleinige Grund dafür, warum ein Spiel gewonnen wird oder verloren geht. Sie muss erst durch die individuellen Spieler umgesetzt und die taktischen Vorgaben des Trainers ausgestaltet werden, damit sie zum Mannschaftserfolg führen kann. Dennoch ist es eine Grundsatzentscheidung mit wie vielen Spielern auf letzter Linie verteidigt wird, die weitreichende Konsequenzen für den Spielverlauf haben kann.

Die erhoffte spielerische Überlegenheit des FCK im Vergleich zu seinen Mitbewerbern in Liga 3 wurde mit defensiver 4er Kette trotz größerer offensiver Optionen nicht sichtbar. Die Schwierigkeiten in der Rückwärtsbewegung mit 4er Kette, die gesamte Breite des Feldes abzudecken wurden besonders in den Niederlagen gegen Unterhaching und Hansa Rostock deutlich. Oft reichte ein geschickter Ball zwischen die Verteidiger oder eine schnelle Seitenverlagerung, um die Geschwindigkeitsdefizite der FCK-Abwehr deutlich zu machen und für Gefahr zu sorgen.

Auch die Schwäche bei gegnerischen Standardsituationen zeigt die Probleme der vergangenen Saison auf, in den entscheidenden Defensivräumen kompakt zu verteidigen. Gesellt sich dann auch noch eine schlechte Chancenverwertung und ein spielerisch schwaches Zentrum hinzu, kann sich der offensivere Ansatz einer 4er Defensivreihe nicht wirklich auszahlen.

Wer jetzt aber annimt, die 4er Kette sei somit kein Ansatz für nächste Saison mag aber falsch liegen. Während Sascha Hildmann nach der Winterpause die 4er Kette für 15 Spiele am Stück beerdigte, kehrte er für die letzten drei Saisonspiele 18/19 wieder zu ihr zurück. Und das nicht unerfolgreich. Mehr dazu im nächsten Teil der Taktik-Analyse zur Systemfrage.

Der Ausblick

In Teil II des Taktik-Rückblicks über die Systemfrage beschäftigen wir uns mit der Umstellung auf 3er bzw. 5er Abwehrkette unter Sascha Hildmann nach der Winterpause. Hat sich die Umstellung auf größere Kompaktheit in der Defensive für den FCK ausgezahlt?

Wenn Ihr mich unterstützen wollt, findet Ihr alle Infos dazu hier.

Eine weitere Systemfrage in anderer Dimension wird hier beantwortet

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