Kapital und Tradition

Heitere Gedanken zum FCK, Marx und dem Fußball im Allgemeinen

Es gibt Fußball-Fangemeinden in Deutschland, die einen hohen Anspruch an Einsatz und Kampf an die Spieler ihres Vereins stellen; bei denen das gute alte „Hauptsache Blut kotzen“ weitaus höher eingestuft wird, als beispielsweise technische Finesse oder ein sicheres Passspiel. Der FC Schalke ist so ein Verein (Malocher), Borussia Dortmund war es mal, der 1.FC Kaiserslautern ist ebenfalls dafür bekannt. Ein Erfolgs-Indikator für ein erfolgreich bestrittenes Fußballspiel ist dann überspitzt formuliert nicht die hohe Passquote der eigenen Mannschaft, sondern die Hämatom-Dichte am Körper der gegnerischen Spieler.

Diese Ansprüche leiten sich sicherlich auch aus der Mentalität der Wirtschafts- und Industrieumgebung der genannten Vereine ab. Ob die Bergbaumilieus im Ruhrgebiet, oder die ländlich geprägte Struktur der Pfalz mit produzierender Industrie; hier kamen jahrzehntelang Menschen ins Stadion, die nicht mehr von ihren Spielern verlangten als das, was sie selbst täglich ablieferten: Harte, ehrliche Arbeit, die auch mal wehtut.

Natürlich kann man hier ergänzen, dass Fußball überall ein Sport gewesen ist, der sich durch eine Nähe zum Arbeitermilieu ausgezeichnet hat, an einigen Standorten hat sich diese Nähe an die Arbeitermentalität aber nachhaltiger etabliert.

Kapitalismuskritik und die Marx-Keule

Vielleicht hat sich aus dieser Arbeitermentalität über die Jahre auch eine gewisse Kapitalismus-Sekpsis abgeleitet, die auch in der letztjährigen Debatte um die Ausgliederung der Profi-Fussball-Abteilung des 1.FC Kaiserslautern in eine Kapitalgesellschaft mit Investoren-Optionen deutlich zu spüren war. Die (berechtigte) Befürchtung, dass der Verein gegenüber der Kapitalgesellschaft an Bedeutung verlieren würde und die öffentlich ausgeschlachtete Investorensuche zur Sicherstellung der Drittliga-Lizenz 19/20 ließ die Frage nach der Vereinsidentität wieder auflodern.

Denn der Fußball ist längst nicht nur zu einem Teil der (neo-)liberalen Wirtschaftsordnung und einer schnöden kapitalistischen Verwertungslogik geworden, er ist deren Speerspitze. Viele der Initiativen, dem unbegrenzten Marktgeschehen Schranken aufzuzeigen (z.B. Financial Fairplay oder 50+1) werden geflissentlich umgangen oder bis zum Erträglichkeits-Maximum ausgeschlachtet. Ablösesummen und Gehälter für Spieler unterliegen de facto keiner anderen Einschränkung als dem Marktprinzip. Angebot und Nachfrage, die unsichtbare Hand.

Hier kommt Marx

Und für die Neo-Marxisten unter Euch: Die großen Vereine haben über ihre vergangenen sportlichen und geschäftlichen Erfolge mittlerweile soviel Kapital akkumuliert, dass dieses aus sich selbst heraus immer mehr „Wert“ generiert, als es durch die Geschäftsaktivitäten kleinerer Vereine jemals möglich wäre.

Ist es dann nicht erst recht sinnvoll eine Gegenposition einzunehmen und andere Werte in den Vordergrund zu stellen?

Natürlich ist es möglich sich aus dieser Marktlogik zu lösen. De facto bedeutet dies dann aber auch den Verzicht auf professionellen Fußball. Denn der Markt ist noch nicht gesättigt, Investoren dringen jedes Jahr neu in die deutschen Ligen und es ist davon auszugehen, dass dieser Trend weiterhin anhält. So jetzt auch beim FCK.

Auch wenn nicht alle „Projekte“ sportlich so erfolgreich daherkommen, wie das bei Rasenballsport Leipzig oder der TSG Hoffenheim der Fall ist, Geld verdrängt im Markt Tradition und Folklore, das ist der Trend der letzten Jahre. Und angesichts der weiterhin offenen Vermarktungspotentiale scheint es so, als würden ehrliche Leitplanken im System, die diesem Trend entgegenwirken könnten, noch lange nicht ernsthaft diskutiert.

Return on Investment

Für den FCK kommt es jetzt darauf an, wie man mit dem zukünftig investierten Geld umgeht, welche Entscheidungen man sportlich und strukturell trifft, um mit dem Potential aus Kapital, Fans und der Region auf einem heißumkämpften Markt zu bestehen. Spannend dabei bleibt auch die zukünftige Rolle von Investor Flavio Becca, der als Geschäftsmann ein berechtigtes Interesse an einem ordentlichen Return on Investment zeigen wird und seinen (gekauften) Einfluss geltend machen wollen wird, wie bereits in der Entscheidung um die Zusammensetzung des Aufsichtsrates geschehen. Und ob man das Ganze dann ähnlich geschickt als „Echte Liebe“ verkaufen werden kann, darüber entscheidet dann die Kompatibilität zwischen Umfelderwartungen und der FCK-Marketing-Strategie der kommenden Jahre. So traurig sachlich das auch klingen mag.

Für Fans als Lesetipp, weiterführende Gedanken zu Kapitalismuskritik und Fußball findet Ihr hier

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1 Antwort zu “Kapital und Tradition”

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